Über Leih- bzw. Honorarärzte

April 2, 2010

[wird demnächst überarbeitet]

Inspired by http://drgeldgier.wordpress.com/2010/01/28/arztemangel-bereitschaftsdienst-gut-bezahlt/

In der Regel sind  Leih- oder Honorarärzte keine Dauerlösung aber doch eine feine Sache – wenn es in der Klinik mangelt, können Sie Lücken kurzfristig füllen und bei entsprechender Planung sogar helfen, ein gestreßtes Team zu entlasten. Die meisten Honorarärzte sind übrigens Fachärzte (überwiegend Anästhesisten), die sich schnell eingewöhnen können und so dann auch ihre Dienste zuverlässig erfüllen (ITS-Dienste übernimmt man in einem neuen Haus nicht am ersten Tag und nur nach guter Einarbeitung in die hausinternen Abläufe) – ich würde also lieber einen Leiharzt haben als keinen Arzt, wenn es ums Patient-sein geht. Viele Notärzte sind im übrigen auch Honorarärzte oder zumindest honorarärztlich tätige Ärzte.

Die Diskrepanz zwischen der monetären Vergütung ist natürlich groß, aber 70€ sind auch nicht der Standard. Je nach Verhandlungen und Spezialgebiet (Frühgeborenenanästhesie/Kinderkardiochirurgie) sind denke ich ab 55€ Stundenlöhne “drin”; 70€ sind allerdings schon gut für einen regulären Dienst! Manche Verträge einigen sich auch auf eine niedrige Pauschale pro Tag/WE plus stundenweise Extravergütung pro tatsächlichem Einsatz, z.B. im OP.

Umgekehrt betrachtet: ein Freiberufler bezahlt u.a. seine eigene Versicherung und hat kein 100%ig sicheres monatliches Einkommen. Vergleicht man den Lohn eines Klinikangestellten mit dem eines Handwerkers, bekommt man graue Haare… und der Arzt hat ungleich mehr Verantwortung und Risiko zu tragen!

Allen Ernstes darf man es mit den Stundenlöhnen nicht übertreiben, aber die vom Arzt geleistete Arbeit nach ewigem Studium ist doch wohl genausoviel wert wie die Arbeit des Automechanikers, ansonsten ist ein frühes Burnout oder gar ein Ausstieg aus Frust verständlich. Der Ärztemangel hat in diesem Fall wenigstens einige “gerecht entlohnt”.

Wer Arzt sein will, sollte nicht *wegen* des Geldes arbeiten, er sollte sich aber auch nicht (von der Klinikleitung) mit Füßen getreten fühlen, weil seine Gutherzigkeit (oder auch Dummheit?) ausgenutzt wird unter dem Vorwand des edlen Motives hinter dem Arztberuf! Die beste Lösung wäre ganz klar eine gerechtere Vergütung aller Ärzte bei verbesserten Arbeitsplatzbedingungen, dann wäre das Ärztemangelthema bald keines mehr.

Solange irgendein Bürohengst des Managements alles daransetzt, den Arbeitsalltag beispielsweise im OP zu erschweren (neue tolle PC-Programme, die den Arzt zum Scoren zwingen und ihn vom Patienten fernhalten), um die Abrechnungen leichter zu machen, sehe ich allerdings schon jetzt schwarz.

Das lag mir gerade auf dem Herzen, auch wenn der Beitrag vielleicht gar nicht so kritisch gemeint war. Böse Zungen könnten übrigens behaupten, daß anhand an der Zahl der Leihärzte auf die (zu Wünschen übriglassende) Güte des Hause rückschließen könnte. Es hat schließlich Gründe wenn die OÄ alle drei Monate wechseln oder ein CA Assistenten verschleißt bis zum gehtnichtmehr. ;-P


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